Während Kunststoff früher als wertvoll oder sogar als Wundermaterial galt, dominieren heute erschreckende Daten und Bilder, die zu einer Imagekrise von Kunststoff führen. Aber ist die Anprangerung von Plastik gerechtfertigt? Nein – Plastik prinzipiell zu verteufeln wäre falsch. Eine differenzierte Betrachtung zeigt, dass das Material durchaus Vorteile hat und dass nicht jede vermeintlich bessere Alternative auch tatsächlich eine ist.

Flaschen aus Glas oder Plastik?

Glasflaschen zum Beispiel nehmen viel mehr Platz ein als PET-Flaschen und Tetrapacks und sind per se schwerer. Um die gleiche Menge an Getränken in Glasflaschen zu transportieren, sind daher wesentlich mehr Lkw auf unseren Straßen unterwegs. Auch die Herstellung von Plastikflaschen verbraucht deutlich weniger Energie als die von Glasflaschen.

Papier- oder Plastiktüte?

Die Annahme, dass Papiertüten grundsätzlich umweltfreundlicher sind, ist nicht richtig. Denn für die Herstellung von Papiertüten wird fast doppelt so viel Energie benötigt, und die zur Behandlung der Zellulosefasern verwendeten Chemikalien sind viel schädlicher. Darüber hinaus ist Papier feuchtigkeitsempfindlich und weniger stabil. Plastiktüten hingegen sind reißfest, form- und haltbarer.

Die Gurke eingeschweißt oder unverpackt?

In Plastik verpackte Lebensmittel gelten als Umweltsünde. Die Klimabilanz von Gurken aus Plastikfolie ist jedoch besser als die von solchen, die lose angeboten werden, so eine Studie. Die Verpackung von Gurken im Handel verursacht umweltschädlichen Plastikmüll. Doch ohne Verpackung, die Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht und Reifegase von Obst und Gemüse fernhält, verderben sie schneller und müssen häufiger entsorgt werden. Diese Umweltschäden sind 3-4 mal höher als die von Plastikverpackungen.

 

Verpackungsabfälle insgesamt

Mit Blick auf den Haushalt, fielen im Jahr 2020 in Deutschland durchschnittlich 22 Kilogramm Kunststoffverpackungsabfälle pro Kopf an. Im gleichen Zeitraum wurden 73 Kilogramm Papierabfälle pro Einwohner entsorgt. Betrachtet man die gesamten Haushaltsabfälle, so machen Kunststoffabfälle mit 11,68 Prozent nur einen geringen Anteil am Gesamtaufkommen aus.

 

Kunststoff – eine sinnvolle Alternative

In vielen Bereichen gibt es keinen sinnvollen Ersatz für Kunststoffe: bei Einwegspritzen, künstlichen Gelenken und Prothesen in der Medizin, bei kunststoffisolierten Kabeln zur Vermeidung von Gefahren wie Stromschlägen in der Elektronik, bei der Herstellung von technischen Geräten wie Computern, Smartphones und Leichtbauteilen, in der Automobilindustrie, um Karosserien möglichst leicht und damit spritsparend zu machen, oder bei der Verpackung von Lebensmitteln für den Transportschutz und eine längere Haltbarkeit.

Wie die Beispiele zeigen, sind Kunststoffe nicht annähernd so schlecht, wie die Medienberichterstattung suggeriert. In vielen Fällen kann Kunststoff sogar die ökologische Alternative zu anderen – auf den ersten Blick nachhaltigeren – Rohstoffen sein.